Hilfe! Warum hat mein Pferd trockene und brüchige Hufe und hohle Wände?

Was gute Hufe für Pferd und das Reiten bedeuten, merkt man meist erst, wenn man sie nicht (mehr) hat. So ging es mir vor rund zehn Jahren mit meinem Fuchswallach. Unser Schmied bescheinigte ihm sogenannte „hohle Wände“, und dass die Hufe trocken und brüchig waren, konnte ich selbst erkennen. Ich habe das Pferd seit es ein Fohlen war und wusste zunächst nicht, ob etwas falsch gelaufen war oder ob Felix sozusagen von Natur aus mit schlechten Hufen ausgestattet war.

Ich habe seitdem viele Ratschläge ausprobiert, und noch mehr Futterergänzungsmittel, die die Qualität der Hufe verbessen sollen. Einiges hat etwas gebracht, anderes wohl eher nicht. Welche Maßnahmen etwas für die Hufe bringen und welche nicht, war nicht einfach zu erkennen, da es oft länger dauerte bis man eine Veränderung an den Hufen erkennen konnte.

Die gute Nachricht ist, dass sich die Qualität der Hufe deutlich verbessern lässt, wenn man sich darum kümmert und ein paar wesentliche Punkte beachtet. Aber das alles gelingt nicht über Nacht, sondern ist ein langwieriger Prozess.

Das Titelfoto zeigt Felix‘ Huf wie er heute ist, er benötigt nur noch den ganz normalen Pflegeaufwand. Seine Hufe haben sich ganz deutlich verbessert, sie sind weder brüchig noch trocken und die hohlen Wände gehören der Vergangenheit an. Wie das geht? Im folgenden habe ich die wichtigsten Maßnahmen zusammengestellt, die ihm geholfen haben. Sie sind sehr effektiv, wenn du sie alle befolgst. Ich habe dazu Tierarzt und Schmied und sehr erfahrene Pferdeleute immer wieder zu Rate gezogen.

1. Regelmäßiger Besuch des Schmieds

Hufeisen bringen Glück

Ein Schmied muss regelmäßig die Hufe raspeln, ausschneiden bzw. beschlagen. Regelmäßig bedeutet alle 6 Wochen (bei uns im Sommer, wenn der Huf in der Regel etwas schneller wächst) bis 7 oder 8 Wochen, je nach Bedarf.

Wenn das junge Pferd angeritten und aufgestallt wird, steht man früher oder später vor der Frage, ob man sein Pferd beschlagen lassen soll. Bei uns war das keine Frage, Felix lief äußerst schlecht ohne Eisen, denn er war „fühlig“.

Das musst du für dein Pferd aber erst selbst überprüfen. Wenn es viele geschotterte oder asphaltierte Wege gibt, dann ist dein Pferd unter Umständen besser mit Eisen dran als ohne. Harte Beläge verursachen Abrieb am Huf und wenn du viel über Straßen und Schotter musst, wird der Huf zu stark abgerieben.

Unkomplizierter, natürlicher, gesünder und kostengünstiger ist es, das Pferd „barhuf“ zu reiten. Das ist auch schonend für das Pferd, und wenn es möglich ist, sollte man diese Möglichkeit wählen. Sie empfiehlt sich, wenn man das Glück hat, auf Waldböden und anderen natürlichen Böden reiten zu können, die wenig Abrieb für den Huf mit sich bringen.

Sollten Hufeisen jedoch erforderlich sein, ist es meiner Erfahrung nach extrem wichtig, dass man einen sehr guten Schmied findet. Am besten hört man sich um und trifft erst dann eine Entscheidung, wenn man sich in seiner Wahl absolut sicher ist.

Es gibt auch die Möglichkeit, Hufschuhe für Pferde zu verwenden. Hiermit habe ich aber keinerlei Erfahrung.

2. Heufütterung

Viele denken, es macht keinen Unterschied, ob das Raufutter Heu, Heulage oder Silage ist. Es ist aber immens wichtig, dass man auf qualitativ hochwertige Heufütterung achtet, wenn man gute Hufe möchte. Wenn ich einen neuen Pensionsstall betrete, erkenne ich beispielsweise meist direkt, ob Heu oder Heulage / Silage gefüttert wird. Woran? Wenn vor den Boxen Eimer mit Hufergänzungsfutter stehen, dann weiß ich, dass kein qualitativ hochwertiges Heu gefüttert wird. Heu ist aber das beste Raufutter, das du deinem Pferd geben kannst, und du solltest dich deinem Pferd zuliebe nie mit weniger zufrieden geben. 

Viele Pensionsbetriebe füttern heutzutage lieber Heulage und Silage als Heu, denn diese sind schneller und damit kostengünstiger herzustellen (das geschnittene Gras muss hierzu nämlich nicht komplett getrocknet sein bevor es gepresst wird).  Darüber hinaus können Heulage und Silage überall im Freien gelagert werden, da ja eine Plastikfolie um die Ballen gewickelt ist. Heu macht dagegen nicht nur mehr Arbeit, denn es wird 1-3 Male häufiger gewendet, was eine gelungene Ernteplanung (Stichwort Regen) voraussetzt, sondern muss auch überdacht gelagert werden. Heu sollte zudem auch nicht auf dem blanken Boden lagern, sondern auf Paletten gesetzt werden, damit es nicht durch die natürliche Feuchtigkeit am Boden vergammelt. So benötigt man für die Lagerung des Heus viel überdachten Lagerplatz.

3. Hygiene

Egal, wie dein Pferd gehalten wird, ob in der Box oder ganzjährig draußen, auf das tägliche Säubern von Hufen, Box und Auslauf darfst du nicht verzichten, wenn du tolle Hufe möchtest. Die Hufgesundheit hat entscheidend mit Hygiene zu tun, denn Mist erzeugt bekanntlich Fäulnis. Es gibt genug Negativbeispiele, die du dir – auch im Internet – ansehen kannst.

Jeder Reiter lernt von Anfang an, dass die Hufe vor dem Reiten ausgekratzt werden müssen, um den Mist auszuräumen, und nochmal danach, damit keine kleinen Steinchen im Huf verbleiben. Zusätzlich sollte man je nach Bedarf (etwa ein- bis zweimal wöchentlich bei mir) die Hufe mit Wasser gründlich sauber bürsten. Im Sommer ist es toll, wenn man durch Wasser reiten kann. Der Huf kann dann genug Feuchtigkeit aufnehmen.

Je nach Haltungsbedingungen muss man manchmal auch verhindern, dass die Hufe dauerhaft zu nass sind und aufweichen. Zu viel Nässe kann sich sowohl in der Box bilden als auch auf dem Paddock. In der Box liegt es natürlich an der gewählten Einstreu, ob die Nässe durch die Ausscheidungen des Pferdes oder überlaufende Tränke (oder Spielen mit der Wassertränke) gut aufgesaugt -und rechtzeitig entfernt- werden kann. 

Urin und die damit verbundene Staunässe kann Risse an der Sohle und natürlich auch die gefürchtete Strahlfäule verursachen. Hier habe ich vor kurzem etwas ausprobiert, was davor schützt: nämlich einfach Erde im Huf lassen. Wenn man sicher ist, dass keine störenden Steine dazwischen sind, dann kann man die Hufe einfach erdig lassen. Am nächsten Tag hat man eine tolle glatte Hufsohle, da die Erde einen Detox-Effekt hat. 

 

4. Hufpflegemittel: Balsam und Öl

Wasser alleine reicht meist nicht, um den Pferdehuf mit Feuchtigkeit zu versorgen, geschmeidig hält man ihn mit Hufpflegemitteln wie HufBalsam und HufÖl. (Ich vergleiche das gerne mit unserer Haut. Nach dem Eincremen fühlt sich die Haut besser an, ein Spannungsgefühl ist verschwunden.)

HufBalsam eignet sich für die tägliche Dosis Pflege, wenn man möchte. HufÖl empfehle ich als eine Art Intensivkur für 1-2 mal wöchentlich. Bei uns reicht es, wenn ich jetzt im Winter ein- bis zweimal wöchentlich eine Hufpflege auftrage. Vor drei Jahren noch habe ich ein- bis dreimal wöchentlich zum HufÖl gegriffen und es hat Felix toll geholfen.

Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund minderwertige Öle und Fette in Hufpflegemitteln zu verwenden. Es gibt auch keinen Grund, Palmöl zu verwenden (vgl. Warum wir Raps verwenden), für dessen Anbau weltweit wertvolle Regenöwälder abgeholzt und niedergebrannt werden. Daher empfehle ich unser HufBalsam, das aus einer verschwenderischen Mischung von erstklassigen pflanzlichen Inhaltsstoffen besteht, und unser HufÖl mit bewährten und exklusiven Pflanzenwirkstoffen.

5. Futter und Nahrungsergänzungsmittel

Das (Krippen-) Futter wirkt sich ebenfalls enorm auf die Hufqualität aus. Darum ist es wichtig zu wissen, was das Pferd zu fressen bekommt.

In den meisten Ställen wird eine Futtermischung für Pensionspferde zusammengestellt, die nicht allen Bedürfnissen gerecht wird. Meist weiß man nicht, welche Inhaltsstoffe enthalten sind und was man ggf. ergänzen muss. Zur genauen Analyse zieht man am besten Schmied und Tierarzt hinzu und lässt genau analysieren, ob dem Pferd etwas fehlt. Es ist auch wichtig für die Gesundheit deines Pferdes, regionale Bodenverhältnisse zu kennen und darauf zu reagieren. 

Wir mussten zum Beispiel mehrere Sommer lang das Spurenelement Zink eimerweise zufüttern.

Heute sind wir in der glücklichen Lage, das Futter unserer Pferde selbst zusammenstellen und auswählen zu können. Daher ist unser Maßnahmenpaket mit diesem letzten wichtigen Baustein abgeschlossen. Ich verzichte mittlerweile ganz auf kostengünstige Varianten, da ich sonst irgendwo anders draufzahle – zum Beispiel an den Hufen. Dieses Jahr (2019) stelle ich fest, dass die Eisen zum ersten Mal bei beiden Pferden die ganze Beschlagsperiode über gehalten haben, und zwar das gesamte Jahr über. Die Pferde sind bei uns in den Regel 6-8 Stunden auf der Wiese, und in den vergangenen Jahren haben die Pferde hier häufiger mal ein Eisen verloren (siehe Foto oben).

Das ist auch ein Verdienst des tollen Schmiedes, über den bzw. die (es sind zwei) wir uns freuen, aber hauptsächlich liegt die Ursache wohl darin, dass die Nährstoffzusammensetzung jetzt auch für die Hufe stimmt. Vor ca. 1,5 Jahren habe ich das preisgünstige Futter durch gutes ersetzt, sodass wir jetzt die optimale Mischung haben. „Die Hufe sind gut!“, lautete der letzte Kommentar unseres Schmieds. 

 

Felix ist jetzt 15 Jahre alt und es hat lange gedauert bis es so weit war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle Bausteine, die ich beschrieben habe, jedem Pferd helfen können, das keine optimalen Hufe hat. Für mich hat sich der Aufwand gelohnt, denn es gibt schon länger keine Einschränkungen mehr beim Reiten, die durch Hufprobleme verursacht sind. So können wir reiten wie wir möchten, und Felix kann Gas geben, was er immer noch tut!

Und noch ein kleines Update (Stand:Mai 2020): 

Seit Neuestem reicht es, einmal pro Woche eine Pflege aufzutragen. Man muss dazu sagen, dass die Pferde seit Anfang März täglich 6 Stunden Weidegang haben, was total schön ist. Natürlich werden die Hufe täglich ausgekratzt, aber es genügt völlig, sie einmal pro Woche mit Wasser zu säubern und eine Pflege aufzutragen. Hier spreche ich tatsächlich vom gleichen Pferd, das mir Anlass gegeben hatte, innerlich um Hilfe zu rufen. Krass! 

Habt ihr Erfahrungen mit der Verbesserung von schlechten Hufen? Schreibt mir gerne eine Mail!