Pferde-Management – So bleibt dein Pferd gesund

Ein Pferd ist kein besonders robustes Wesen, das stellt man als Pferdebesitzer ganz schnell fest. Für Pferdehalter und Reiter gibt es einiges zu lernen und zu beachten – allein damit ein Pferd gesund bleibt. Wenn man ein paar grundlegende Dinge täglich beachtet, dann minimieren sich die Gefahren von Kolik und co. ganz erheblich. Voraussetzung ist, dass man die folgenden Punkte durchsetzt bzw. durchsetzen kann. Bist du Selbstversorger oder hast die Pferde am Haus, dann gelingt das einfacher, denn dann musst du die Bedürfnisse deines Pferdes nicht mit denen von 40-80 weiteren Pferden abstimmen. Bist du Einsteller, dann solltest du von vornherein auf sensible Punkte achten und musst ggf. mit Kompromissen leben. Mitunter hilft es, wenn man durch persönlichen Einsatz und Aufwand ein paar Gegebenheiten abfedert oder ganz aus der Welt schaffen kann.

  1. Bewegung und Tagesstruktur für dein Pferd

Der allerwichtigste Baustein für dein Pferd ist regelmässige und ausreichend Bewegung. Das Pferd ist bekanntlich ein Lauftier, und daher muss es sich bewegen können. Doch wie viel Bewegung ist ausreichend? Und welche Qualität sollte die Bewegung idealerweise haben?
Nach Dr. Ende liegt das Minimum an Bewegung bei 4 Stunden pro Tag. Damit ist nicht gemeint, dass dein Pferd 4 Stunden lang geritten oder geführt werden muss, sondern idealerweise soll es sich mindestens 4 Stunden täglich selbst bewegen können. Doch das muss, zumindest wenn du Einstaller an größeren Ställen bist, organisiert werden. Ein Mix aus Wiese/Paddock, Führmaschine, Spazierenreiten und Training kommt wahrscheinlich den meisten Pferdetypen gelegen. Wenn du selbst keine Zeit hast, dann solltest du dafür sorgen, dass die 4 Stunden täglich von anderen organisiert und eingehalten werden können.
Das klingt einfach, ist in der Praxis allein durch die Wetterverhältnisse aber in der Umsetzung oft schwierig durchsetzbar. Regen, Unwetter, Schnee und Glatteis bringen gut durchdachte Pläne oft durcheinander. Hinzu kommt, dass es manchmal an Platz mangelt. Es gibt Ställe, an denen die Paddocks nicht viel größer als die Boxen sind und es an Anreizen zum Bewegen hapert, sodass die Vierbeiner statt sich zu bewegen, auch auf einem Paddock wie in einer Box stehen (müssen).

Dem Pferd eine feste Tagesstruktur mit der Möglichkeit zur Bewegung zu geben, hat für uns die allerhöchste Priorität. Ich persönlich stelle mir immer die Frage nach den Stunden, die ein Pferd in der Box steht bzw. stehen muss. (Nach der langen COVID-Zeit kann man sich die Auswirkungen der Bewegungseinschränkung selbst viel besser vorstellen…) Also, selbst mit den empfohlenen 4 Stunden täglich, steht das Pferd noch 20 Stunden in seiner Box. Das ist enorm viel.

bei uns gehen die Pferde täglich eine Stunde Schritt

2. Hygiene

Es ist für die Pferdegesundheit entscheidend, dass das Pferdefutter, das meist aus Heu und Kraftfutter besteht, hygienisch einwandfrei gelagert und aufbewahrt wird. Wichtig ist, dass das Heu auf Paletten lagert und nicht schimmeln kann. Wird Silage oder Heulage gefüttert, darf erst recht nichts Verschimmeltes verfüttert werden.
Beim Kraftfutter sollte eine mausfreie Zone eingerichtet sein. Das Kraftfutter kann beispielsweise in Tonnen mit Deckel aufbewahrt und zügig verfüttert werden.

Tränkebecken und Trog deines Pferdes sollte immer sauber sein und regelmäßig mit Apfelessig und heissem Wasser gereinigt werden.

Auch die Pferdebox soll idealerweise täglich gemistet werden, das unterstützt die Hufgesundheit.

2. Pellets und Stroh

Meiner Erfahrung nach können Pferde leicht aufgrund pelletierten Futters Koliken bekommen. Warum? Palletiert bedeutet Zusammenpressung mit Wasserentzug, das meint, dass das pelletierte Futter im Verdauungstrakt wieder aufquillt und so Koliken verursachen kann. Also empfiehlt es sich, nur Müsli ohne Pellets zu füttern, dann ist man auf der sicheren Seite.

Mit Stroh bin ich sehr vorsichtig geworden, da sich die Pferde hieran “überfressen” können und eine Verstopfungskolik droht. Wenn man mit Sägespänen einstreut und Stroh in kleinen Portionen füttert, dann entgeht man diesem Problem.

4. Giftpflanzen

Auf Giftpflanzen solltest du immer achten und die wichtigen kennen: Farn im Heu? Fingerhut auf der Koppel? Jakobskreuzkraut säumt die Wiese? Eibe in einer Hecke, die die Koppel säumt?
Man sollte die wichtigsten Giftpflanzen kennen und entfernen bevor sie Schaden anrichten können.

6. Nicht nur ans Sparen denken

Eine wahre Geschichte vergesse ich nie: eine Züchterin verlor nahezu alle ihre Pferde, weil sie am Heu ein paar Euro sparen wollte. Sie ließ sich Heu aus einem Gebiet kommen, indem es natürliche Bleivorkommen gab – wovon sie zunächst nichts wusste. Ihre Pferde verstarben äußerst qualvoll und niemand konnte sie retten.
Hierüber berichtete der WDR vor einigen Jahren. Als ich ein Jahr nach dem Unglück die Annoncen zu Heuangeboten las, bot ein Heubauer das Blei verseuchte Heu dieser Gegend wieder zu einem günstigen Preis an. Ich schrieb ihn an und appellierte an sein Verantwortungsgefühl, worauf er die Anzeige löschte.

Also: regional einkaufen vom Heubauern deines Vertrauens, und ruhig mal misstrauisch sein, wenn man den Lieferanten nicht kennt und lieber einmal zu viel recherchieren.

Ich weiß, dass Pferde viel Geld kosten. Doch wenn man sich entscheidet, ein Pferd zu kaufen, dann sollte man das nötige Kleingeld haben, um es anständig zu versorgen.

5. Richtig reiten

Es ist für die Gesundheit deines Pferdes immens wichtig, korrekt zu reiten. Das bedeutet für jedes Pferd und jeden Reiter etwas anderes, denn die Bedingungen sind – wie wir alle wissen – unterschiedlich.
Auch deine Einstellung und dein Ehrgeiz (falls vorhanden) wirken sich auf dein Reiten und damit auf die Gesundheit deines Pferdes aus. So kann man durch Uebermotivation (und auch durch Unwissen oder Unvermögen ) eine Menge Schaden anrichten.
Korrektes Reiten beugt zusammen mit den anderen genannten Punkten einer Menge Krankheiten am Bewegungsapparat vor. Hierzu gehört das richtige Aufwärmen deines Pferdes, die korrekte Bemuskelung und das richtige Cool-down. Das alles lernt man am besten in einem guten Trainingsstall.
Vielleicht hast du ein großes Vorbild? Je nach reiterlicher Disziplin, kannst du vielleicht einmal deinen Wunschtrainer besuchen und dich einfach mal umsehen. Schnuppere mal rein bei einem Lehrgang, oder besser, investiere ein paar Jahre in deine eigene Ausbildung und die deines Pferdes. Das ist langfristig wahrscheinlich die beste Gesundheitsvorsorge.

Hast du weitere Ideen, Tipps oder Beobachtungen zu diesem Thema, dann schreibe mir gerne eine Mail.



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